Brustimplantats-Entfernung Teil 3: Meine OP und Heilung

Vielleicht fragt ihr euch, ob es in Zeiten wie diesen denn wirklich nötig ist, über meine Brüste zu philosophieren. Versteh ich, denn der Zeitpunkt ist ja echt nicht gerade ideal. Allerdings nütze ich die Tage und Wochen, die ich selbstverständlich zuhause verbringe, damit, meine To-Dos abzuarbeiten. Und da steht dieser Blogbeitrag ganz oben. Denn Menschen zu unterhalten und vielleicht auch von Sorgen und Problemen abzulenken, ist immerhin das Ziel dieses Blogs. Also: enjoy.

Ich habe mir sehr viel Zeit mit meinem Abschlussbericht gelassen, nämlich auf den Tag genau zwei Monate. Ich wollte einfach sicher gehen, dass mein Heilungsprozess möglichst weit fortgeschritten ist, damit ich ein ehrliches Fazit ziehen kann. Und nun ist es endlich soweit.

Tag der OP

Am 15. Jänner um kurz vor 11:00 Uhr traf ich im Kuzbari Zentrum im ersten Bezirk ein. Damit ist jetzt wohl auch das große Geheimnis um den Ort des Geschehens gelüftet. Grund dafür ist, dass ich noch keinen Arzt namentlich in den Himmel loben wollte, bevor meine OP einwandfrei verlaufen ist. Ich war natürlich sehr aufgeregt, weil eine OP einfach kein Zuckerschlecken ist und ich ja schon dreimal am eigenen Leib erfahren musste, dass dabei immer etwas schief gehen kann. Trotzdem habe ich versucht, möglichst positiv zu denken. Ich habe davor sogar noch von zuhause aus gearbeitet und mein Auto in die Werkstatt gebracht, um mich möglichst gut abzulenken. In der Klinik angekommen, ging dann alles sehr schnell. Ich wurde in mein Zimmer gebracht – ein wirklich schönes und großes Doppelzimmer – zog mich um und bekam noch Fieber und Blutdruck gemessen. Und dann durfte ich mir auch noch das Abendessen und Frühstück des nächsten Tages aussuchen, das direkt vom Hotel Park Hyatt geliefert wurde. Da waren die Augen aber leider größer als der Magen: Risotto, Parmesan-Fries und Fruchtsalat – haha, schön wärs gewesen, wenn ich das alles hätte essen können. Aber dazu später mehr.

Das Einzige, das mich ein wenig nervös gemacht hat, war die Tatsache, dass ich im Aufwachraum auf den Arzt warten musste, wo andere Patientinnen noch in Narkose lagen. Es wäre toll, wenn dafür in Zukunft vielleicht ein anderer Ort genutzt wird, denn andere Menschen bewusstlos zu sehen, ist nicht unbedingt der allerschönste Anblick. Als dann aber mein Arzt, Dr. Dobrovits, kam, nahm er mir jegliche Angst in Sekundenschnelle. Er ist einfach ein Perfektionist, bei dem die Zufriedenheit und das Wohlbefinden seiner Patienten an erster Stelle stehen. Er war auch immer ehrlich zu mir und gab zu bedenken, dass er nicht wusste, was ihn erwarten würde, sobald die Implantate draußen waren und womit er dann arbeiten könne. Doch er versprach mir, nicht aufzuhören, bevor kein zufriedenstellendes Ergebnis erzielt war. Ich ging dann allein in den OP-Saal und hoffte einfach nur, schnell in Narkose zu sein, damit ich nichts mehr mitkriege. Und so war es dann zum Glück auch. Ich scherzte noch mit dem Anästhesisten und den OP-Assistenten und zack – war ich schon im Tiefschlaf. Für ganze 4,5 Stunden.

Diese Narkose war definitiv anders als meine vorigen. Mir war danach weder eiskalt, noch fühlte ich mich wie auf Drogen oder war hungrig. Was ich jedoch bemerkte war, dass ich durch die Intubation so gut wie keine Stimme mehr hatte. Das legte sich jedoch relativ rasch wieder. Ich blieb gute zwei Stunden im Aufwachraum und unterhielt mich total nett mit der Schwester dort. Diese rief dann auch meinen Mann an und teilte ihm mit, dass alles gut verlaufen war und er mich bald besuchen konnte. Als ich dann auf mein Zimmer gebracht wurde, bekam ich mein Handy zurück und konnte das erste Mal ein Selfie machen, um festzustellen, wie es oberweiten-technisch denn nun aussah. Mit meinem schwarzen Stütz-Bh sah ich eigentlich nur, dass die enorme Größe endlich Geschichte war. Ich konnte viel besser atmen als in den letzten Jahren. Und meine chronischen Nackenschmerzen, die mich ebenfalls jahrelang gequält hatten, waren auch wie ausgelöscht. Leider merkte ich schnell, dass es meiner Zimmernachbarin nicht gut ging, denn ihr war ziemlich schlecht von der Narkose. Deshalb mein Tipp an euch alle: Wenn ihr eine OP habt, sagt dem Anästhesisten unbedingt davor, dass ihr prophylaktisch etwas gegen Übelkeit bekommen wollt. Bei mir hat das bislang immer super funktioniert.

Eine Schwester half mir beim Aufstehen und ich setzte mich mit meinem Mann nach draußen, um etwas zu essen. Leider war mein Kreislauf ziemlich im Keller, deshalb brachte ich bis auf den Fruchtsalat nichts runter – meinem Mann hats aber super gut geschmeckt. 😉 Da es meiner Zimmernachbarin so schlecht ging, bekam ich ein Einzelzimmer – worüber ich wahnsinnig dankbar bin, denn das war ein Traum. Ich will euch nichts vormachen: Geschlafen habe ich in der Nacht so gut wie gar nicht, denn die Schmerzen waren schon sehr heftig. Noch dazu hatte ich Drainagen, welche die Wundflüssigkeit ableiteten – und das ist auch nicht das beste Gefühl. Am nächsten Morgen ging es mir aber schon viel besser. Ich bekam ein supergutes Frühstück und dann kam endlich DER Moment, auf den wir alle (haha) gewartet haben. Dr. Dobrovits kam herein, um meine Drainagen zu entfernen und dann durfte ich die Brüste das erste Mal im Spiegel betrachten. Ehrlich gesagt hatte ich so Angst davor, dass mich da ein komplettes Schlachtfeld erwarten würde, da ich im Internet schon viele erschreckende Nachher-Bilder gesehen hab. Doch dann erzählte Dr. Dobrovits, dass er zwar sehr lange gebraucht hat, um die total verhärteten Kapseln zu entfernen, aber dann selbst überrascht war WIE gut das Endergebnis geworden ist.Da traute ich mich dann doch, einen Blick in den Spiegel zu werfen. Und was soll ich sagen Leute, ich hätte am liebsten geheult vor Freude. Nie hätte ich mir vorstellen können, dass die Form nicht nur schöner ist als mit Implantaten, sondern auch als vor der allerersten OP. Meine Brüste sind rund und straffer denn je (ja, ich habe mich letztendlich für eine Straffung entschieden, da es mir von allen Seiten geraten wurde. Immerhin musste meine Haut fünf Jahre lang beinahe 500 Gramm pro Seite mittragen). Ich war einfach so so überglücklich. Und ich bin es auch heute noch. Es war definitiv die wichtigste Entscheidung, die ich für meine Gesundheit hätte treffen können. Und ihr könnt euch gar nicht vorstellen, welche Last von mir abgefallen ist, als ich zwei Wochen später auch erfahren habe, dass der Test auf das Lymphom BIA-ALCL negativ ausgefallen war.

Der Heilungsprozess

Ich will ehrlich mit euch sein: Die ersten Tage nach der OP waren nicht einfach. Die Schmerzen waren vor allem nachts enorm, sodass ich nicht mal in unserem Bett schlafen konnte. Auf der Couch klappte es besser. Meine OP war am Mittwoch und als mein Mann mir am Sonntag auf Anordnung des Arztes die Pflaster entfernte, wäre ich fast zusammengeklappt. Mein Kreislauf musste sich nach der langen OP also auch erstmal regenerieren. Da ich als Redakteurin eigentlich nur sitze, konnte ich ab Montag auch schon wieder arbeiten. Doch mein Körper zeigte mir seine Grenzen ziemlich klar auf. Als ich nämlich dann am Donnerstag (8 Tage nach der OP) das erste Mal wieder längere Zeit Auto fuhr, begann meine linke Brust extrem zu pochen und zu krampfen und bei jedem Atemzug hatte ich das Gefühl, sie würde gleich explodieren. Zum Glück war mein toller Arzt zu jeder Tages- und Nachtzeit erreichbar und so fuhr ich sofort in die Klinik, damit er die Lage checken konnte. Und was soll ich sagen – es war alles in bester Ordnung. Ich merkte dann auch selbst, dass nur mein Muskel verkrampft war und konnte diesen selbst massieren. Innerhalb von zwei Tagen waren dann auch diese Schmerzen Geschichte.

Die ersten Wochen nach meiner OP habe ich etwas besser auf meine Ernährung geachtet, um die Schwermetalle der Implantate aus dem Körper zu leiten. Dazu startete ich jeden Tag mit einem Glas Selleriesaft auf nüchternen Magen, denn dieser soll das Immunsystem stärken und den Körper entgiften – ich mein, nützts nix, schods nix! Außerdem verzichtete ich weitestgehend auf Milchprodukte und bemühte mich um eine pflanzliche Ernährung, um mögliche Entzündungen im Körper zu hemmen. Hierbei setzte ich auch auf meine altbewährte „Goldene Milch“, also auf die tägliche Einnahme von Kurkuma und Gerstengras, über die ich auf jeden Fall noch einmal einen eigenen Beitrag schreiben möchte. Um mein komplettes Lymphsystem zu reinigen, bestellte ich im Internet auch die „Lymphatonic“ Kapseln von Herbal Medicine. Von diesen habe ich drei am Tag genommen. War wirklich zufrieden damit und sie bestehen ausschließlich aus natürlichen Substanzen. Nach zwei Wochen wurden mir schließlich die Nähte gezogen und dann konnte ich mit der Narbenpflege beginnen. Dazu bekam ich vom Arzt eine Creme, die ich einmal am Tag verwendete. Wie ihr euch vielleicht denken könnt, sind die Narben durch die Straffung natürlich um einiges größer als sie davor waren. Ich muss aber ehrlich sagen, dass sie mich viel weniger stören als ich befürchtet hatte. Damit die Narben trotzdem schön heilen und so bald wie möglich kaum noch sichtbar sind, teste ich seit fast zwei Wochen auch das Gerät repuls7. Dabei handelt es sich um ein Gerät der Lichtmedizintechnik aus Österreich, das mit hochintensivem kaltem Rotlicht arbeitet, das ohne Wärme tief in das Gewebe eindringt und damit zu einer verbesserten Regeneration von geschädigten Gewebestrukturen beitragen kann. Damit bestrahle ich jede Brust täglich zwölf Minuten lang und kann jetzt schon erkennen, wie die Rötungen zunehmend verblassen.

Wie ihr seht, habe ich also in den letzten zwei Monaten viel getan, um meinen Heilungsprozess zu beschleunigen. Ich könnte nicht dankbarer sein, dass alles so gut geklappt hat und dass auch das optische Ergebnis wunderschön ist. Ich bin einfach wieder ich und fühle mich unglaublich wohl in meiner eigenen Haut. Mittlerweile habe ich ein großes B-Körbchen, das optimal zu meinem Körper passt. Nach sechs Wochen durfte ich dann auch wieder normale Bhs tragen und Sport machen.

Meine Symptome – was hat sich geändert?

In meinem ersten Beitrag zu diesem Thema habe ich ja schon erzählt, dass es eine Gruppe von Frauen gibt, die sich zusammengeschlossen haben und davon überzeugt sind, an einer Krankheit, der „Breast Implant Illness“ zu leiden. Einige, aber sicher nicht alle, der dafür typischen Symptome trafen auch auf mich zu. Für viele Frauen ist eine Explantation eine wahre Wunderheilung und sie berichten davon, dass ihre Symptome dadurch alle sofort verschwunden sind. Das freut mich natürlich extrem für sie, denn auch ich weiß, wie belastend es sein kann, permanent das Gefühl zu haben, dass etwas nicht stimmt. Trotzdem waren bei mir nicht vorrangig irgendwelche Symptome ausschlaggebend für die Entfernung sondern die Tatsache, dass meine Implantate bewiesenermaßen krebserregend sind und ich das Risiko nicht eingehen wollte. Auch, wenn sich bei mir also nichts von den Symptomen verändert hätte, hätte die OP ihren Sinn trotzdem erfüllt.

Umso glücklicher bin ich aber, dass es mir in der Tat TAUSENDMAL besser geht als vor der OP. Und das aus folgenden Gründen:

  • Meine Nackenschmerzen, die ich davor jahrelang jeden einzelnen Tag und fast den ganzen Tag über hatte, haben sich enorm verbessert. Sie treten nur noch äußerst selten auf und ich bin mir ziemlich sicher, dass es daran liegt, dass das schwere Gewicht durch die Implantate weg ist.
  • Der Brainfog, also das Gefühl, total neben mir zu stehen, ist weg! Ich bin wieder total präsent im Moment und bekomme alles mit. Auch dieses Symptom war vor der OP fast täglich mein Begleiter.
  • Ich habe das Gefühl, weniger ängstlich und gelassener zu sein und auch meine Hypochondrie besser im Griff zu haben.
  • Mein Hautbild hat sich verbessert und meine Augen sind klarer.

Mir geht es also in vielen Bereichen um einiges besser. Das Thema Brustimplantate ist für mich damit abgeschlossen. Natürlich stehe ich euch gerne noch jederzeit für Fragen zur Verfügung und ich habe auch in unserem Gesundheits-Magazin einen dreiseitigen Beitrag über das Thema verfasst, da wir damit immerhin fast 300.000 Leserinnen und Leser erreichen und ich diese Reichweite einfach nutzen wollte, um über das wichtige Thema aufzuklären. Trotzdem ist für mich jetzt die Zeit gekommen, mit diesem Kapitel meines Lebens abzuschließen und mich auf alles andere zu konzentrieren. Auf meinen Mann, meinen Job, unser Hausbauprojekt und jetzt gerade natürlich darauf, dass wir diese furchtbare Pandemie eindämmen können!

Ich bewundere und bedanke mich aber bei allen, die sich dem Thema noch intensiver annehmen und jungen Frauen zur Hilfe stehen, die ihre Entscheidung von vor einigen Jahren total bereuen und ihre Implantate einfach nur noch loswerden wollen. Ich habe alle Infos zu dem Thema selbst recherchiert, hatte eigentlich niemanden, mit dem ich mich austauschen konnte und hab die Sache allein durchgezogen. Aber IHR müsst das nicht! Deshalb soll an dieser Stelle auch die ARGE „Risiken von Brustimplantaten“ nicht unerwähnt bleiben. Auf ihrer Homepage findet ihr alles, was ihr zu dem Thema noch benötigen könntet. Danke, dass ihr mit eurem Schaffen so vielen Frauen eine Stimme gebt!

Ihr Lieben – das war es von mir. Vielen Dank an alle, die bis hierhin gelesen haben. Das ist eine wahre Leistung! Was ich aus dem Prozess gelernt habe ist, dass man sich im Leben manchmal trauen muss, eine Entscheidung, mit der man nicht mehr glücklich ist, rückgängig zu machen. Dass nichts im Leben so wertvoll ist, wie die Gesundheit. Und dass jeder von uns schön ist, genau so, wie er oder sie ist.

Alles Liebe,

Michaela

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