Brustimplantats-Entfernung Teil 2: Die Suche nach einem Arzt

Zu allererst einmal: Wow! Ich kann es gar nicht fassen, wie viel tolles Feedback ich auf meinen letzen Beitrag bekommen habe. Dafür möchte ich mich herzlich bedanken! So viele liebe Mädels haben mir geschrieben und ihre Erfahrungen zu dem Thema mit mir geteilt. Genau das ist der Grund, warum ich über diesen Weg, diese Schattenseite meines sonst eigentlich wunderschönen Lebens hier öffentlich schreibe, obwohl mir das auch nicht so leicht fällt. Ich habe letztes Mal schon betont, dass ich niemanden beeinflussen möchte oder irgendwen dazu überreden will, die Implantate ebenfalls zu entfernen. Diese Entscheidung treffe ich für mich allein und genauso respektiere ich alle Entscheidungen, die ihr für euch und euren Körper trefft. Mein einziges Anliegen ist es, dass plastische Eingriffe nicht mehr verharmlost werden. Dass ihr versteht, dass jede Vollnarkose eine enorme Belastung für den Körper ist. Dass Entzündungen, Kapselfibrosen, Abwehrreaktionen des Körpers viel öfter vorkommen, als man glaubt. Dass ein Implantat nicht nur aus reinem Silikon besteht, sondern, dass da auch Schwermetalle mit im Spiel sind. Leider sind all das Tatsachen, die ich nicht bedacht habe, als ich mich 2015 für die OP entschieden habe. Auf Instagram gibt es einen Account zum Thema „Breast Implant Illness“, der von über 50.000 Frauen abonniert wird. Diese Frauen berichten über so viele Symptome, die sie im Laufe der Jahre mit Brustimplantaten erlitten haben. Viele von ihnen haben sogar Autoimmunerkrankungen entwickelt. Ob das alles Zufall oder Einbildung ist, muss aber jeder für sich selbst entscheiden.

Fakt ist, dass es (noch) keinen offiziellen Aufruf gibt, dass sich Frauen mit texturierten Brustimplantaten (wie meine), die kürzlich vom Markt genommen wurden, die Implantate entfernen lassen sollen. Aus diesem Grund muss man, wenn man sich dennoch für eine Explantation entscheidet, die Kosten selbst tragen. Aber wisst ihr was? Scheiß drauf. Was ist schon ein bisschen Geld, wenn man dafür seine volle Gesundheit zurück erlangt und hoffentlich ein langes und sorgenfreies Leben vor sich hat? Eben…

Fünf Termine, fünf Gesichter

Als ich mich 2015 für eine Brustvergrößerung entschied, konsultierte ich nur einen einzigen Arzt. Ich kannte einige junge Frauen, die bei ihm sehr zufrieden waren und wirklich schöne Ergebnisse erzielt hatten. Nach meinen drei missglückten OPs war mir jedoch klar, dass ich nicht mehr zu ihm gehen möchte. Ich wollte mir so viele Meinungen wie möglich einholen, um mich in den allerbesten Händen zu wissen. Insgesamt besuchte ich seit meiner dritten OP fünf verschiedene plastische Chirurgen, hörte mir alle Optionen und Preise an und entschied mich letztendlich für den einzigen, der mich nicht nur überzeugt, sondern mich mit seiner Expertise, seinem Verständnis und seinem Perfektionismus wirklich umgehauen hat. Im Folgenden möchte ich euch von meinen fünf Beratungsterminen erzählen:

Arzt 1: Diesen Arzt besuchte ich etwa drei Monate nach meiner dritten OP. Ich war damals sehr besorgt, schon wieder eine Kapselfibrose entwickelt zu haben und wollte mir einfach eine zweite Meinung einholen. Damals spielte ich noch nicht mit dem Gedanken, mir die Implantate entfernen zu lassen, ich hoffte ja wirklich darauf, dass der dritte Eingriff der Letzte war. In einigen Foren hatte ich sehr viel Gutes von diesem Arzt gelesen und er stellte sogar eine WhatsApp-Nummer zur Verfügung, an die man sich wenden konnte, wenn man eine Frage hatte. Ich schrieb ihn an und war positiv überrascht, weil er sich sogar am Wochenende meldete und mir einen zeitnahen persönlichen Beratungstermin anbot, der auch noch kostenlos war. Als ich ihm dann eine Woche später persönlich gegenüberstand, meinte er, bei meiner Ausgangslage hätte man die Brüste eigentlich von Anfang an straffen müssen. Er fand die Implantate auch viel zu groß gewählt, da ich schlank bin und sehr wenig eigenes Gewebe habe. Er riet mir jedoch dazu, sie noch einige Jahre zu behalten, abzuwarten, ob ich eventuell noch einen Kinderwunsch entwickle und sobald die Familienplanung abgeschlossen ist, die Brüste straffen und kleinere Implantate einsetzen zu lassen. An dem Arzt störte mich aber, dass man ihm sofort anmerkte, dass er meinen „Fall“ für all seine Kongresse und Social-Media-Postings verwenden wollte. Da fühlte ich mich wie bei Pfusch am Bau ;). Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ihn sein Image und Geld viel mehr interessierten, als mein Wohlbefinden und ein gutes Ergebnis. Also, next!

Arzt 2: Zu diesem Arzt kam ich etwa ein halbes Jahr später, als mich die Implantate immer mehr störten. Ich spürte sie stark durch die Haut durch und hatte immer öfter Schmerzen. Deshalb wollte ich, dass sich ein Arzt ansieht, ob alles in Ordnung ist. Ich ging dazu in eine tolle Klinik, leider war jedoch der Arzt, der mir zugeteilt wurde, nicht DER Spezialist auf dem Brustgebiet. Er war zwar sehr nett und riet mir auch dasselbe wie Arzt 1 (abwarten, dann kleinere Implantate und Bruststraffung), aber ich hatte trotzdem nicht das Gefühl, dass die Brustchirurgie sein Spezialgebiet ist.

Arzt 3: Leider ein absoluter Reinfall. Ich konsultierte ihn vor etwa einem halben Jahr, als ich mir eigentlich schon sicher war, dass ich die Implantate entfernen lassen will. Im Internet war er auch als Experte für Entfernungen gelistet. Das Beratungsgespräch war teuer. Er nahm kein Blatt vor den Mund, meinte, dass bei der OP ja einiges schief gelaufen sein müsse. Jap, was du nicht sagst, deshalb bin ich ja bei dir. Außerdem verstand er nicht, warum ich für die Entfernung nicht mehr zu dem Arzt gehen wollte, der die ersten drei Eingriffe durchgeführt hat. Dass ich auf Implantate verzichten wollte, verstand er überhaupt nicht; ich solle mir doch einfach kleinere einsetzen lassen. Leider ließ in diesem Gespräch sein Verständnis und Einfühlungsvermögen zu wünschen übrig. Ich fühlte mich wie eine Nummer und sein Machogehabe spornte mich einfach nur dazu ein, mich schleunigst aus dem Staub zu machen.

Arzt 4: So viel vorweg: Er ist es geworden! Und um ehrlich zu sein, war das ein totaler Glücksgriff, weil ich ursprünglich gar nicht geplant hatte, mich von ihm beraten zu lassen. Ich hatte das letzte halbe Jahr enorm viel recherchiert und war eigentlich felsenfest überzeugt, Arzt 5 (auf den ich gleich noch zu sprechen komme), würde der Arzt meines Vertrauens werden. Trotzdem habe ich von Arzt 4 in meinem Freundeskreis so viele Lobeshymnen gehört und er ist glaube ich auch der einzige plastische Chirurg mit keiner einzigen negativen Kritik auf Docfinder ;). Deshalb gab ich ihm eine Chance. Und ich könnte wirklich nicht glücklicher darüber sein. Nicht nur die Klinik ist der absolute Hammer, in der man sich wie in einem Palast fühlt. Der Arzt nahm sich beinahe zwei Stunden Zeit für das KOSTENLOSE Gespräch und hätte es glaube ich noch ewig weiter geführt, wenn ich noch eine einzige Frage gehabt hätte. Er verstand mich und meine Sorgen sofort, hatte schon einige exakt gleiche Operationen durchgeführt. Das ist keine Selbstverständlichkeit, denn wenn man Symptome einer Breast Implant Illness verspürt oder die inzwischen vom Markt genommenen Implantate in sich trägt, sollten sie mit der en-bloc-Methode entfernt werden, wie ich aus meiner intensiven Recherche wusste. Das bedeutet, dass die Implantate mit der kompletten Kapsel entfernt werden, damit nichts von dem betroffenen Gewebe zurück bleibt. Das ist jedoch eine sehr zeitaufwändige OP, bei der höchste Genauigkeit gefragt ist. Aus diesem Grund sträuben sich viele Ärzte davor. Mein Arzt macht das aber bei allen Frauen mit den gleichen Problemen, konnte mir zahlreiche Fotos zeigen und versicherte mir, dass ich mich nach der OP besser fühlen würde. Als er mich nach meinen genauen Vorstellungen fragte, schrieb er so viel mit, als sei es seine Doktorarbeit. Er überließ die Entscheidung, ob Straffen oder nicht, komplett mir allein und zeigte mir auch Fotos beider Optionen. Was mich einfach am allermeisten beeindruckte, war sein Perfektionismus. Das ist so schön, weil ich selbst extrem perfektionistisch bin. Ich weiß genau, dass er diese OP erst beenden wird, wenn er zufrieden mit dem Ergebnis ist und absolut alles dafür getan hat. Und für mich ist das einfach Grund genug, ihm zu 100000 Prozent zu vertrauen.

Arzt 5: Wie bereits zuvor erwähnt, hatte ich monatelang über Explantationen recherchiert. Das ist gar nicht so einfach, weil es nur wenig Material dazu gibt. Als Hauptinformationsquelle dienten mir daher verschiedene Foren und Instagram. Ein paar Internet-Persönlichkeiten, die ihre Implantate entfernt haben, sind zum Beispiel Crystal Hefner, Jennifer Stano, Anja Zeidler, Cath Bastien oder Karissa Pukas. Irgendwann glaubte ich, einen Spezialisten auf dem Gebiet der Implantatsentfernung gefunden zu haben: Arzt 5. Ich sah mir viele seiner Videos an und war überzeugt, dass er mich begeistern würde. Weil sein nächster freier Termin aber erst in einigen Wochen war, ging ich davor zu Arzt 4 und war, wie gesagt, sofort Feuer und Flamme. Ich wollte den bereits ausgemachten Termin mit Arzt 5 aber trotzdem nicht verfallen lassen und gab ihm eine Chance. War aber leider nix! Gedämpft wurde meine Freude bereits beim sündhaft teuren (300 Euro) Beratungsgespräch. Was mich ebenfalls schockierte war einerseits, dass er nicht einmal wusste, dass meine Implantate zurück gezogen waren (das wussten die anderen schon und ich setze es eigentlich voraus, dass man sich, wenn man in der Branche arbeitet, auch mit den News auf dem Markt auseinandersetzt). Der dritte Minuspunkt: Er hatte noch nie das Implantat samt Kapsel entfernt. Als ich ihm erklärte, warum mir dieser Schritt wichtig war, zuckte er mit den Schultern und meinte, wenn es mir so wichtig wäre, könnte er es ja machen, wäre ruckzuck erledigt. Hier hatte ich nicht das Gefühl, dass er die erforderliche Exaktheit mitbringen würde, die man dazu braucht, um das umliegende Gewebe nicht zu verletzen. Er wollte die Operation auf zwei Termine aufsplitten und beide im Dämmerschlaf durchführen. Zunächst sollten Implantate und („wenns unbedingt sein muss“) die Kapseln entfernt werden, dann sollte ich ein paar Monate warten, bevor er mit Straffung und Eigenfett nachbessern würde. Der ganze Spaß belaufe sich auf knapp 10.000 Euro. Ich müsste direkt nach dem Eingriff nachhause aber falls ich doch eine Nacht mit Nachtschwester dort bleiben wolle, müsste ich noch 800 Euro drauf legen. That’s a no from me.

Mein Fazit

Wie ihr seht habe ich fünf Ärzte kennen gelernt, von denen mir jeder etwas anderes erzählt hat. Ich finde, dass es eigentlich ein Muss ist, sich verschiedene Meinungen einzuholen, wenn es um gesundheitliche Themen geht. Ich weiß noch, dass ich mir bei dem Arzt, der mich dreimal operiert hat, damals gedacht habe, dass er zwar nett ist aber sich nicht wirklich wahnsinnig viel Zeit nimmt. Ich war aber der Meinung, dass plastische Chirurgen eben so sind. Wie man sieht, gibt es aber noch ganz andere Ärzte, für die das nicht nur irgendein Job ist, bei dem man viel Geld macht, sondern eine Passion, eine Leidenschaft. Umso glücklicher bin ich, auf diesen tollen Arzt gestoßen zu sein, der mir jede Angst vor dem letzten Eingriff genommen hat. Eine Patientin hat ihn sogar den „Michelangelo“ der Chirurgie genannt. Ich möchte aber nicht voreilig urteilen, denn natürlich ist auch dieser Eingriff mit Risiken verbunden. Ich hoffe einfach das Beste und freue mich darauf, endlich von dieser Last befreit zu werden, die ich jetzt seit fünf Jahren mit mir herum trage. Falls es noch irgendwen interessiert, ob ich Angst davor habe, wie ich danach aussehe: überhaupt nicht. Denn das bin nun mal ich und ich finde mich einfach SUPER LEIWAND, genau so wie ich bin. 😉

In einigen Monaten schreibe ich gerne noch einen Abschlussbericht zu diesem Thema. Bis dahin versorge ich euch natürlich mit anderen Beiträgen, die sich nicht um meine Oberweite drehen. 😉

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