Bye bye Fake Boobs! Ich entferne meine Brustimplantate

Happy 2020, ihr Lieben! Starten wir das neue Jahr doch mit einem weiteren Knaller. Einem „major downgrade“, wenn man so will, um das allseits verhasste Denglisch noch weiter auszureizen. Ich entferne meine Brustimplantate! Nach fünf Jahren kehre ich zurück zur Natürlichkeit.

So, damit wäre das Wichtigste gesagt. Sorry, falls jetzt einige von euch gegen hektische Schnappatmung ankämpfen. Ich weiß, da schneide ich gerade ein ziemlich gefährliches Thema an. Eines, über das viele nicht sprechen möchten, weil es viel zu privat und „tabu“ ist. Einfach machen und drüber schweigen, lautet die Devise. Und aus diesem Grund haben auch plötzlich alle die scheinbar perfekte Nase und die kugelrunde Oberweite – die unschuldige Mami-Bloggerin, das Mädel aus dem Club, deine Lieblingssängerin oder die hübsche Arbeitskollegin. Und bevor ich mit der ganzen Geschichte tiefer ins Detail gehe, möchte ich, dass ihr versteht, warum ich diese private Angelegenheit mit euch teile. Es ist eigentlich eine ziemlich intelligente Sache. Philosophisch, wenn man so will. Denn die Wahrheit ist, ich tu hier genau das, was ich immer schon getan habe. Aus demselben Grund, warum ich diejenige geworden bin, die ich nun mal bin: Eine Schriftstellerin, eine Autorin. Ich schreibe. Und so unterscheide ich mich vom heutzutage weit verbreiteten „Influencer“. Ich versuche nicht, irgendjemanden mit meinem Lebensstil oder meinen Entscheidung zu beeinflussen. Ich will euch nicht irgendeine Einstellung von mir aufs Auge drücken. Ich wollte immer schon schreiben, mein ganzes Leben lang. Doch nicht nur das: Ich wollte publizieren. Ich wollte, dass auch andere etwas von meinen niedergeschriebenen Worten haben. Was sie sich daraus ziehen, ist ihre Sache. Meine Texte entstehen entweder, weil ich viel recherchiert oder andere Menschen zu bestimmten Themen befragt habe. Und hier auf meinem Blog entstehen meine Texte aus der Reflexion meines Lebens und meiner Entscheidungen. Ich bringe sie zu Papier und sie nähren mich, bringen mich weiter. Vielleicht bieten sie auch euch in gewisser Weise einen Mehrwert. Dann habe ich alles richtig gemacht.

April 2015

Erster Akt

Bestimmt fragen sich manche von euch, was mich überhaupt dazu getrieben hat, mich damals unters Messer zu legen. Denn wenn ich ehrlich bin, hatte ich früher nie ein Problem mit meinen Brüsten. Im Gegenteil: Ich war immer sehr zufrieden mit meiner natürlichen Körbchengröße und hätte nicht im Traum daran gedacht, einmal etwas daran ändern zu wollen.

Doch das wandelt sich, als ich 19 Jahre alt bin. Es ist diese Zeit, in der du irgendwie weder Fisch, noch Fleisch bist. Frisch raus aus der Schule, gerade ein Studium begonnen. Nicht ganz sicher, wo du eigentlich hin willst. Trotzdem Ziele und Träume im Kopf. Aber unschlüssig, wie du sie erreichen kannst. Damals war ich gerade einer toxischen Beziehung entkommen. Und wenn ich toxisch sage, meine ich TOXISCH af. Diese Art von Beziehung, in der du drei Jahre lang jeden Tag heulst und eigentlich erst checkst, welchem psychischen Missbrauch du da jahrelang ausgesetzt warst, wenn du jemanden findest, der dich behandelt, wie man seine Freundin nun mal behandeln sollte: mit Liebe und Respekt. Jedenfalls ging es mental gerade erst wieder aufwärts. Mein Studium langweilte mich zu Tode. Ich hatte meine Lehrveranstaltungen so eingeteilt, dass ich nur ein- oder zweimal pro Woche auf die Uni musste und den Rest der Zeit verbrachte ich meistens auf dem Sofa und zog mir irgendeinen RTL2-Scheiß rein. Nicht gerade der Alltag, der dir in irgendeiner Weise Sinn oder Motivation gibt. Also wurde mir klar: Ich brauche ein neues Ziel im Leben. Und da fiel mir nichts Besseres ein als Sport. Bereits in den zwei letzten Schuljahren hatte ich einen gesunden Lebensstil eher vernachlässigt und mein Couch-Potato-Lifestyle der letzten Monate hatte ebenfalls nicht zur physischen Topform beigetragen. Durch das Internet stieß ich auf ein Fitnessprogramm mit Ernährungsplänen und Fitnessübungen. Zack, gekauft. Das Ganze lief 10 Wochen lang. Das war auch die Nummer der Kilos, die ich in dieser Zeit verlor. Die Nachwirkungen (keine Periode für 9 Monate und eine Binge-Eating-Essstörung) hielten jedoch um einiges länger an. Doch das ist eine andere Geschichte, die ich euch ein anderes Mal erzählen kann. Jedenfalls, ihr wisst ja, wie es läuft. Kein Körperfett bedeutet keine Brüste. Und obwohl ich total stolz auf meine neu gewonnenen Bauchmuskeln war, wollte ich das Gesamtpaket. Ich hatte viele junge Frauen in meinem Freundes- und Bekanntenkreis, die eine Brustvergrößerung schon hinter sich hatten und nichts Negatives davon berichten konnten. Ich hatte das Geld und ich hatte Bock drauf. Also vereinbarte ich einen Termin bei einem bekannten Arzt in Wien.

Ich hatte Geld und ich hatte Bock. Das ist die Einstellung einer 19-Jährigen. Zu Beginn dieses Blogbeitrags habe ich euch schon mitgeteilt, dass ich dieses Thema gerne etwas intelligenter beleuchten möchte. Und nach fünf Jahren, in denen ich wusste, dass der Eingriff die schlechteste Entscheidung meines Lebens war, kann ich heute ein bisschen reflektierter argumentieren. Das Problem mit Schönheits-OPs ist, dass wir denken, wir tun sie für uns selbst. Es ist das, was dir jeder sagt: Wenn du wirklich etwas an dir machen lassen willst, tu es für dich selbst und nicht für andere. Und wir nicken kräftig und bejahen das und sind selbst fest davon überzeugt, dass wir diese Entscheidung nur für uns selbst treffen, doch das tun wir nicht. Wir tun es, weil wir denken, dass wir mit einer geraden Nase einen ganz anderen ersten Eindruck bei ANDEREN hinterlassen. Wir tun es, weil wir wissen, dass der TYP, in den wir abgöttisch verliebt sind, auf große Brüste steht. Wir tun es, weil wir neidisch auf das Bikini-Foto irgendeiner INFLUENCERIN starren. Wir tun es für andere Menschen, unter dem Vorwand, es für uns selbst zu tun. Und manchmal verbessert diese OP etwas. Vielleicht fühlt sich jemand danach selbstbewusster und besser als zuvor. Aber nicht, weil die Brust oder die Nase davor ein Problem war, sondern weil man sich so sehr eingeredet hat, dass durch die OP alles besser wird, dass man diese Veränderung auch tatsächlich anzieht. Und das bringt mich auf einen ganz wichtigen Punkt: Dein Körper ist NIEMALS das Problem. Deine Einstellung zu deinem Körper ist das Problem. Das ist auch der Grund, warum so viele Menschen nach einem Eingriff nicht aufhören können. Sie sind danach immer noch nicht zufrieden. Jetzt haben sie zwar die perfekte Nase, doch erst mit den kugelrunden Brüsten ist man dann tatsächlich glücklich. Hm, oder doch nicht? Vielleicht kann noch ein bisschen Hyaluron in den Lippen helfen. Oder noch ein bisschen Botox in der Stirn? Es ist ein Teufelskreis, aus dem man oft nicht ausbrechen kann, denn egal, was man verändert, es ändert sich nichts. Das ursprüngliche Problem liegt ganz wo anders.

Ich habe es schon einmal in einem anderen Blogbeitrag geschrieben und ich tu es heute wieder: Ich mache da keine Abstriche. Ich verurteile niemanden, der etwas an sich machen lässt. Für mich ist eine Kim Kardashian genauso schön wie eine Michelle Obama. Doch darum geht es nicht. Ich muss euch heute leider von der Illusion befreien, dass eine Schönheits-OP ein Routine-Eingriff ist. Dass Komplikationen selten sind. Dass euer Körper es tadellos wegsteckt, jahrelang gegen einen Fremdkörper anzukämpfen. All das ist leider Fehlanzeige und das musste ich am eigenen Leib spüren.

Dezember 2016, Juni 2017

Zweiter Akt

Im April 2015 lasse ich mir meine Brüste vergrößern. Die OP verläuft gut und ich werde am nächsten Tag entlassen. In wenigen Tagen bin ich wieder fit. Dir wird gesagt, dass das endgültige Ergebnis nach etwa einem Jahr sichtbar ist. Ich warte eineinhalb Jahre doch nichts verändert sich und mir wird klar, dass bei der OP irgendwas schief gelaufen sein muss, denn meine Brüste sehen einfach lächerlich aus. Sie sind viel zu hoch eingewachsen, beginnen fast beim Hals. Außerdem sind sie viel größer, als ich sie eigentlich wollte. Damals hatte ich mir ein C-Körbchen gewünscht, inzwischen habe ich DD und finde keinen einzigen BH, der mir gefällt und passt. Also besuche ich meinen Schönheitschirurgen erneut. Er ist vom Ergebnis auch nicht gerade begeistert und meint, er könnte mir im Dämmerschlaf kostenlos die Implantate weiter runter setzen. Sei kinderleicht, meint er.

Diesen zweiten Eingriff habe ich im Dezember 2016. Jokes on me: Es wird doch wieder eine Vollnarkose. Noch lustiger ist es, als mir die Schwester, nachdem ich aufgewacht bin, ein Säckchen mit den Implantaten bringt. Der Arzt habe sich während der OP entschieden, sie auszutauschen. Nun sind sie nicht nur um 100 Gramm schwerer, sondern haben auch eine andere Form.

Heute wünschte ich echt, ich hätte diesem Arzt damals die Meinung gegeigt, doch ich vertraute auf seine ärztliche Expertise und zahlen musste ich ja auch nichts. Doch auch nach dieser OP meinte es das Schicksal nicht gut mit mir. Nach wenigen Monaten war ich mir ziemlich sicher, dass auch diesmal was nicht so rosig gelaufen ist. Denn einer meiner beiden runden Friends sah leider ziemlich verformt aus. Im Nachhinein kann ich das alles ja schon fast mit Humor sehen. Doch damals lagen meine Nerven blank. Schon zu diesem Zeitpunkt bereute ich die Entscheidung, mich jemals für den Eingriff entschieden zu haben. Wisst ihr, was verrückt ist? Ich glaube, dass ich diese OP nur gemacht habe, weil ich dachte, wenn ich mir zwei Fremdkörper einsetzen lasse, die von Natur aus eigentlich nicht geplant waren, könnte ich auch meine restliche Natur ändern. Könnte ich irgendwie in mein vorherbestimmtes Schicksal eingreifen. Könnte jemand anderes, besseres sein, als diejenige, die ich sein sollte. Und irgendwie war ich so besessen von diesem Gedanken, dass ich mich noch zu einer dritten OP hinreißen ließ. Diesmal handelte es sich um eine Kapselsprengung, weil mein Körper eine Kapselfibrose gebildet hat. Und glaubt mir Mädels, das passiert öfter, als ihr denkt. Warum? Euer Körper will euch nur schützen. Er will keinen Fremdkörper. Er kämpft dagegen an! Und bildet eine Schutzschicht um eure Implantate. Das nennt man Kapsel. Doch wenn sich euer Körper zu sehr gegen den Fremdkörper wehrt, verhärtet sich die Kapsel, verursacht Schmerzen und verformt sich. Hallo Kapselfibrose! Also: Es ist Juni 2017. Ich lasse die Kapsel sprengen. Ich hoffe so sehr, dass der Albtraum nun endlich ein Ende hat und ich mich nie wieder wegen der beschissenen Körbchengröße unters Messer legen muss. Am selben Tag kann ich wieder nachhause. Ich bin erleichtert. Ich ahne noch nicht, dass das alles erst der Anfang ist.

Jänner 2020

Dritter Akt

Einige Wochen nach meinem dritten Eingriff beginne ich, mich immer komischer zu fühlen. So, als stünde ich komplett neben mir, hätte irgendwie Watte im Kopf. Ich kann mich nicht mehr wirklich konzentrieren. Worte fallen mir nicht mehr so schnell ein. Mein Erinnerungsvermögen hat sich drastisch verschlechtert. Anfangs schiebe ich das auf die drei Narkosen, die ja auch Gift für den Körper sind. Ein paar Monate später kommen Angstzustände und Panikattacken dazu. Ich mutiere zum Hypochonder. Lasse mich von Kopf bis Fuß durchchecken, mache unzählige große Blutbilder. Alles in Ordnung. Dann kommen Nackenschmerzen hinzu. Tagtäglich von früh bis spät. Spannungskopfschmerzen. Ich kenne mich so nicht. Ich bin erst Anfang 20 und fühle mich wie eine alte Frau. Ich schiebe alles auf meinen Bürojob. Dann, eines Tages, werde ich über Instagram auf ein Posting aufmerksam. Es geht um die sogenannte „Breast Implant Illness“. Tausende Frauen haben sich zusammengeschlossen und sind der Meinung, ihre Brustimplantate würden sie langsam vergiften. Ihr Körper würde so stark gegen den Fremdkörper ankämpfen, dass er sich nicht mehr auf seine eigentlichen Funktionen konzentrieren kann. Viele Symptome, darunter auch meine, seien die Folge. Darum greifen einige Frauen zu einer drastischen Maßnahme – sie lassen sich die Implantate entfernen. Und fühlen sich wie neu geboren, die meisten Symptome seien direkt nach der Entnahme verschwunden. Wow, denke ich, doch ich bringe meine Symptome trotzdem erstmal nicht damit in Zusammenhang.

Eines Tages stoße ich auf einen Artikel, er ist in allen Tageszeitungen. Ein bekannter Implantathersteller hat seine Brustimplantate mit rauer Oberfläche vom Markt genommen. Der Grund: Hunderte Frauen, die diese Implantate in sich trugen, haben einen Krebs, das Lymphom BIA-ALCL entwickelt. Es gibt sogar ein paar Todesfälle. Mir stockt der Atem und meine Hände zittern, als ich in meiner Geldbörse nach meinem Implantatpass krame. Und dann bleibt mir fast das Herz stehen, als ich sehe, dass ich genau DIESE Implantate in mir trage.

In diesem Moment weiß ich, dass ich mich entscheiden muss. Es gibt ja nur zwei Möglichkeiten: Entweder, ich mache gar nichts, hoffe, dass ich keine tickende Zeitbombe in mir trage und mich nicht das gleiche Schicksal ereilt. Oder ich gehe das Risiko gar nicht erst ein, verabschiede mich von dem Silikon und all den Schwermetallen (jap, Schwermetalle! Davon erzählt dir auch keiner. Siehe hier) und kehre wieder zurück zu meinem alten, natürlichen Ich. Denn wenn ich ehrlich bin – ich liebe mich einfach. Ich finde mich einfach perfekt (sorry not sorry) und wunderschön (ebenfalls not sorry), genauso wie ich bin. Drei sind zwei zu viel. Die Würfel sind gefallen. Bye bye, Fake Boobs!

Fortsetzung folgt…

3 Kommentare zu „Bye bye Fake Boobs! Ich entferne meine Brustimplantate

  1. Liebe Michaela,

    ich sage nur: der Text spricht mir aus der Seele… Hab ich sie wirklich nur für mich vergrößern lassen? Diese Frage habe ich mir in letzter Zeit öfters gestellt. Am 21.02. kommen die Giftbeutel raus, nach 11 Jahren. Ich wünsche dir alles Gute zu deiner OP:)

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Marion, ich verstehe dich zu gut! Aber man lernt aus jeder Erfahrung und nichts ist so schlecht, dass es nicht für irgendwas gut ist. Ich wünsche dir alles, alles Gute! Ich hab meine OP super überstanden und bin überglücklich.

      Liken

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