Das Leben mit der Angst

Heute möchte ich ein sehr persönliches Thema mit euch teilen. Diesmal geht es nicht um meine Beziehung, Karriere oder Einstellung zu Feminismus. Diesmal geht es viel mehr um mein Innenleben, sprich Psyche und alles was da so dazugehört. Um ehrlich zu sein, war mir dieses Thema anfangs enorm unangenehm. Seit der Schulzeit war ich immer nur die Verrückte und Hyperaktive, ein Mädchen, das dauerhaft Lachkrämpfe hatte – und dann später womöglich für manch einen die Karrierefrau, die irgendwie alles unter einen Hut zu bringen schien. Und bis auf die klassische Liebeskummer-Emophase in der Pubertät hat das eigentlich auch immer zugetroffen. Doch vor fast genau zwei Jahren fing es plötzlich an. In der Instagram-Gesellschaft ist „anxiety“ inzwischen zu einem Kult-Wort geworden. Es wird in so vielen Memes ins Lächerliche gezogen, dass ich es nicht einmal selbst richtig ernst nehmen kann. Und doch sind Panikattacken und Ängste leider so verdammt ernst, dass sie deine Lebensqualität ganz schön einschränken können. Inzwischen weiß ich, dass diese Angstzustände ganz verschiedene Ursachen haben und auch ganz unterschiedliche Formen annehmen können. Bei manchen ist es die Angst, in einer großen Menschenmenge zu sein. Andere haben große Panik, weil sie sich mit ihrem Job überfordert fühlen. Die nächsten fürchten sich vor Konfrontation. Und ich…ja ich, ich hab panische Angst vor schweren Krankheiten und dem Tod.

Wir sind doch alle ein bisschen gaga

Es fühlt sich total komisch an, das hier so zu schreiben, doch ich weiß, dass ich damit nicht allein bin. Im Gegenteil: Ich bin mir ziemlich sicher, dass die meisten von euch fast täglich irgendwelche inneren Konflikte austragen müssen. Und vielleicht hilft es euch ja zu wissen, dass ihr diese Scheiße nicht als einziger Mensch auf der Welt durchstehen müsst. 

Teufelskreis

Ich möchte jetzt nicht zu ausschweifend über meine Angst vor Krankheiten berichten. Denn so wie ich mir nicht unbedingt vorstellen kann, Angst vor Menschenmengen zu haben, so kannst auch du dich wahrscheinlich nicht wirklich in meine Lage versetzen. Und das ist absolut okay so. In Wahrheit glaube ich, dass sich jeder, der irgendwie von Angst- und Panikzuständen betroffen ist, ähnlich mies fühlt. Bei mir hat es im November 2017 so begonnen, dass ich enorm verspannt und gestresst war, dadurch auch öfter Spannungskopfschmerzen hatte. Plötzlich erzählte mir eine Kollegin von einer Bekannten, bei der ein Hirntumor diagnostiziert wurde. Und kurz darauf bildete ich mir ein, meine Beschwerden wären auch auf diese Krankheit zurückzuführen. Ich verfiel komplett in Panik, konnte nicht mehr aufhören, daran zu denken, woraufhin sich alle Beschwerden noch verschlimmerten. Zu dieser Zeit war ich auf Pressereise auf den Seychellen und hatte absolut keine Möglichkeit, zum Arzt zu gehen. Vielleicht habt ihr damals sogar meine traumhaften Bilder auf Instagram gesehen und euch gewünscht, mit mir tauschen zu können. In Wirklichkeit kämpfte ich andauernd mit den Tränen, hatte so furchtbare Angst vor den Untersuchungen zuhause und vor der Zukunft, die mir blühen würde. Ihr seht also mal wieder: Instagram ist nicht die Realität! Und man weiß wirklich nie, wie es hinter der Fassade aussieht. Lange Rede, kurzer Sinn: Zuhause ließ ich mich durchchecken und Gott sei Dank war alles in Ordnung. Kurz darauf hörten auch die Symptome auf. Doch dann bekam ich ein Drücken in der Magengegend, das ein paar Wochen anhielt und ich dachte sofort an Magenkrebs. Nachdem alle Untersuchungen unauffällig waren, verschwanden die Symptome. Doch dann bekam ich Schmerzen in der Brust und bekam schreckliche Angst vor Brustkrebs. Und so weiter und so fort. Ein Teufelskreis. Die Angst hält immer so lang an, bis ich untersucht wurde. Dann beruhige ich mich für Wochen oder Monate. Doch sobald ein neues Symptom auftaucht, verfalle ich wieder in Panik.

Du kannst nicht alles kontrollieren

Ein Jahr später konnte ich die Furcht nicht mehr allein stemmen und suchte mir einen Coach. Inzwischen habe ich gewisse „Copingmechanismen“ gefunden. Das heißt, ich weiß, was ich mache, wenn ich wieder eine meiner Phasen habe. Gute Helfer für mich sind Sport und Meditation. Ich habe gelernt, dass man mit einem gesunden, funktionierenden Körper immer irgendetwas spürt. Und das ist Gott sei Dank fast nie irgendetwas schlimmes!


Trotzdem ist es echt hart. Ich bin da ganz ehrlich. Es ist verdammt hart. Ich habe so viel Glück im Leben, eine wundervolle gesunde Familie, tolle Freunde, einen Traumjob, eine schöne Wohnung,… doch manchmal kann ich all das nicht zu 100 Prozent genießen, weil ich so Angst habe, dass irgendetwas Schlimmes passieren muss, wenn alles gut läuft. Und in meinem Fall sorge ich mich eben am meisten um meine Gesundheit. Dabei können wir sowieso alle nur versuchen, ein möglichst gesundes Leben zu führen und uns regelmäßig durchchecken lassen. Alles andere ist eh Schicksal.

Gewinne Vertrauen zurück

 Ich weiß, in den meisten meiner Blogbeiträge schreibe ich über Dinge, von denen ich meine, einen Plan zu haben. Da gebe ich euch Tipps und denke, dass sie euch helfen können. Heute weiß ich nicht wirklich, was ich euch raten soll. Denn aktuell komme ich sehr gut klar, doch vor allem in stressigen Phasen falle ich oft zurück in dieses schwarze Loch. Was meine Angst damals ausgelöst hat, weiß ich nicht. Ein Kindheitstrauma? Ein Hormonschub? Eigentlich ist die Ursache ja auch egal. Ich bin ein Mensch, der alles unter Kontrolle haben will. Im Auto sitze ich lieber selbst am Steuer. Beruflich bin ich eher eine Einzelkämpferin, da ich mich am liebsten auf mich selbst verlasse. Gesundheit kannst du aber nur zu einem gewissen Maß selbst steuern. Heißt, hinter meiner Angst vor Krankheiten steckt vor allem die Angst vor Kontrollverlust. Was ich also versuche, und das gelingt mir besonders durch Meditation, ist, das Urvertrauen in mich selbst und in meinen Körper zurück zu gewinnen. So dass ich mich stabil und gefestigt fühle und mich nicht von irrelevanten Ängsten leiten lasse. Meist ist es eine riesengroße Erleichterung, die Ängste aufzuschreiben oder mit jemandem zu besprechen. Dann zeigt sich plötzlich erst, wie unwahrscheinlich das Befürchtete eigentlich ist. Und dass Angst zwar unangenehm ist aber eben auch nur das – Angst. Ich bin sehr dankbar, dass mein Mann, meine Mutter und meine Hausärztin über mein Problem Bescheid wissen und mir immer helfen, total harmlose Erklärungen für körperliche Beschwerden zu finden. Denn ganz ehrlich? Wird schon alles gut gehen! Und das Leben überlebt sowieso keiner von uns. 


Was ich euch mit diesem Blogbeitrag zeigen will ist, dass jeder sein Päckchen zu tragen hat. Und falls ihr selbst zu den Menschen mit Angst- und Panikzuständen gehört, scheut euch bitte niemals davor, darüber zu reden. Ihr werdet erstaunt sein, wie vielen es ähnlich geht und wie erleichternd es ist, zu merken, dass man nicht allein ist. 

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