Warum du in einer Beziehung egoistisch sein solltest

In meinem letzten Blogbeitrag habe ich euch berichtet, warum ich schon mit 23 den Bund der Ehe geschlossen habe. Erinnert ihr euch? Wenn nicht, könnt ihr das hier noch einmal nachlesen. Heute gibt es die Fortsetzung. Was bedeutet Ehe überhaupt? Und was hält uns vom Unterzeichnen der Scheidungspapiere eigentlich ab?

Wie ich bereits letztes Mal erwähnt habe, gibt es in meinem Verwandten- und Bekanntenkreis (bislang) kaum verheiratete Menschen, weshalb gut gemeinte Ratschläge auf diesem Gebiet bis jetzt (zum Glück) ausblieben. Bis auf eine Kollegin, die mir regelmäßig von ihrer Scheidung vorschwärmt und mir erklärt, wie unglücklich und erdrückend ihre Ehe war, lassen mich die meisten mit diesen Gesprächsthemen in Ruhe. Trotzdem merke ich immer öfters die gespannten Blicke meines Gegenübers, wenn ich gefragt werde, wie es sich als verheiratete Frau denn so lebt. Als wäre ich eine ganz besondere Spezies, die irgendeinen Geheimcode geknackt hätte. Blöderweise können in einer Beziehung aber immer nur die beiden Involvierten festlegen, was es für ein glückliches Zusammensein braucht. Das, was meinen Mann und mich zufrieden stellt (die Welt bereisen, uns durch die Restaurants der Stadt testen, lautstarkes Wiehern bei klassischen österreichisches Kabaretts, good times im Schlafzimmer, absolutes Desinteresse für Kinder,…) kann für ein anderes Ehepaar auch die Hölle sein. Und (das kam auch schon im letzten Beitrag): Ihr legt selbst fest, wie eure Beziehung zu sein hat. Wenn ihr besprecht, dass ihr Monogamie nicht braucht oder dass ihr zwar verheiratet sein wollt aber nicht zusammen leben möchtet oder dass ihr eure Urlaube lieber mit Freundinnen/Freunden, als mit der Partnerin/dem Partner verbringt  – dann ist das auch okay. Hauptsache, ihr seid euch da einig.

Ich kann euch also kein Geheimrezept für die Liebe verraten. Hätte ich das, könnt ihr euch sicher sein, dass ich es bereits für sehr teures Geld verkauft hätte. Dann würde ich gerade auch nicht auf meiner Wohnzimmercouch sitzen sondern auf dem Liegestuhl eines Overwater-Bungalows im Six Senses auf den Malediven. Trotzdem gebe ich euch gerne ein paar Tipps mit auf den Weg, mit denen ich bisher sehr gut fahre.

Ihr müsst zufrieden sein

Ich weiß nicht, wie ihr euch die Ehe vorstellt oder was ihr selbst für eine führt. Denn bei Beziehungen scheiden sich die Geister. Meine Mutter und ihr Freund sind da echt ein Extrembeispiel. Sie wohnen zusammen und treffen sich trotzdem jeden Tag zum Mittagessen. Abends steht dann jeden Tag ein anderes Programm an: Salsakurs, Kabarett, Musical oder romantisches Dinner. An Wochenenden dann Therme oder Wandern. Manchmal habe ich fast das Gefühl, die beiden würden ja keinen Alltag, keine Routine aufkommen lassen wollen. Als hätten sie Angst, dass dann vielleicht Langeweile auf sie wartet. Dass sich einer von beiden einmal alleine mit Freunden trifft, ist ausgeschlossen. Sie wollen immer zusammen sein. Im Gegensatz dazu gehen mein Mann und ich das entspannter an. Wir teilen uns eine wunderschöne Wohnung und genießen in der Regel unsere Anwesenheit. Aber wir müssen nicht dauerhaft aufeinander picken. Ich würde es mir um kein Geld der Welt nehmen lassen, mindestens einmal pro Woche eine Freundin auf einen Afterwork-Drink zu treffen. Außerdem muss ich nicht bei jedem Kinofilm dabei sein, den mein Mann sich reinziehen will. Schon gar nicht, wenn der dreieinhalb Stunden dauert, und es keine einzige Filmszene gibt, in der niemand eine Kugel in den Schädel bekommt. Dafür lässt er mich ohne mit der Wimper zu zucken mit Freundinnen auf die Malediven oder nach Dubai fliegen. Denn dort besteht unser einziges Programm aus Bräunen und Fressen. Das wäre ihm sowieso zu fad. Und ich lasse ihn liebend gerne allein auf seine Radreisen fahren. Denn um ehrlich zu sein, sind die einzigen Räder, die mich interessieren, die Kompletträder meines Mercedes.

Schau auf dich

Ich für meinen Teil weiß ziemlich genau, welcher Aspekt mir in meiner Ehe am Wichtigsten ist. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass euch das jetzt überraschen wird. Am Wichtigsten ist mir mein Egoismus. Ja, richtig gelesen. Und ich erkläre euch sehr gerne, warum das so ist. Ich bin als Einzelkind aufgewachsen, habe mich liebend gerne mit mir selbst beschäftigt und meine Bedürfnisse genau kennen gelernt. Ich weiß immer ganz genau, was ich haben möchte und arbeite daran, bis ich es habe. Nichts in meinem Leben ist mir wichtiger, als meine Ziele. Nicht mein Mann. Nicht meine Freunde. (Vielleicht meine Mutter, aber sonst nichts. ;)) Und das ist auch gut so. Ja, manchmal sind Kompromisse in einer Ehe unvermeidbar. Manchmal musst du nachgeben und damit die beste Entscheidung für euch als Paar treffen. Aber was auf keinen Fall passieren sollte ist, dass du immer zurücksteckst und auf deine eigenen Wünsche und Träume verzichtest, damit der andere glücklich ist. Ich vergleiche das gerne mit dieser Sicherheitsanweisung im Flugzeug: Zuerst musst du dir selbst die Sauerstoffmaske aufsetzen, bevor du deinem Sitznachbar helfen kannst. Genauso führe ich meine Ehe. Zu aller erst schaue ich einmal auf mich, auf meine eigenen Bedürfnisse, Wünsche und Träume. Denn mein Mann ist kein Säugling mehr, sondern in seinen 30ern. Der kann auf sich selbst aufpassen. Ich achte auf mich und mein Glück, denn ich weiß genau, so lange ich nicht selbst glücklich und zufrieden bin, wird mich auch mein Mann nicht glücklich machen. Und ich werde ihn nicht glücklich machen. Aber solange ich ausgeglichen bin, zufrieden im Job, genug Zeit für Selfcare habe, mir ab und zu etwas Schönes nur für mich selbst gönnen kann, kann ich auch die Frau sein, die er geheiratet hat. In einer Beziehung müssen beide Partner in dieselbe Richtung schauen. Doch das heißt nicht, dass keine Blicke in den Spiegel erlaubt sind.

Letztens habe ich meinen Mann mal gefragt, was er eigentlich an mir liebt.Seine Antwort? Er liebt mich, weil ich „nett und lieb und hübsch und lustig“ bin. Und das bin ich, weil ich glücklich bin. Weil ich dafür sorge, dass ich glücklich bin. Und er dafür sorgt, dass ich glücklich bleibe.

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