Warum jung heiraten?

Wow, Leute. Es ist echt lange her, dass wir voneinander gehört haben, nicht wahr? Heute habe ich beschlossen, Teegeflüster wieder aufleben zu lassen. Ich werde älter, ich lerne aus meinen Fehlern, Meinungen drehen und verschieben sich. Und so flammte der Wunsch in mir auf, euch wieder mehr an meinem Alltag teilhaben zu lassen. Also hat Teegeflüster seit heute eine neue Plattform. Als ich einige meiner alten Beiträge hierhin verschoben habe, schwelgte ich natürlich in Erinnerungen und war echt baff: 2015 noch davon geschrieben, dass ich nicht an die wahre Liebe glaube. 2017 kam mein Beitrag, dass die Karriere die beste Beziehung ist. Und nun? Die letzten zwei Monate des Jahres 2019 sind angebrochen und ich bin seit einem halben Jahr verheiratet. Wer hätte das damals gedacht? Also ich nicht.

Kein Sugar Daddy

Noch dazu entspross meine Heirat nicht den heutzutage oftmals üblichen Kriterien. Sprich: Torschlusspanik mit Ende 20; der Wunsch, eine Familie zu gründen, ein Eigenheim zu kaufen, sich langsam aber sicher zu setteln. Nein, ich war 23 und damit die erste in meinem Freundeskreis, der das „Ja, ich will“ über die Lippen kam. Und dabei habe ich nicht mal in der Hoffnung auf ein fettes Erbe einen 70-jährigen Sugar Daddy geheiratet. Tatsächlich ist mein Mann nur sieben Jahre älter als ich. Viele von euch werden beim Lesen dieser Zeilen sicherlich den Kopf schütteln und sich fragen, warum um alles in der Welt ich mich in so jungen Jahren schon bis ans Lebensende gebunden habe. Das möchte ich hier mal kurz erläutern:

  • Daddy Issues: Hört sich jetzt dramatischer an, als es ist. Aber im Grunde stimmt es. Ich selbst komme aus einer riesengroßen Familie, in der außer meiner Großeltern und zwei Tanten niemals jemand verheiratet war. Ja, richtig gelesen. Nicht einmal meine Eltern haben sich je zu einem Ja-Wort überwinden können. Die positive Seite an dem Ganzen: Ich war nie ein typisches Scheidungskind und meine kindlichen Traumata halten sich daher in Grenzen. Umso stärker war aber der Wunsch, eines Tages das zu haben, was mir als Kind verwehrt geblieben ist – eine traditionelle Ehe und stabile Beziehung.
  • Heiße Braut: Eigentlich unglaublich, aber ich war in meinem Leben noch nie Gast auf einer Hochzeit. Umso schärfer war ich immer auf den Reality-TV-Scheiß à la „Die perfekte Hochzeit“ oder „Zwischen Tüll und Tränen“. Ja, auch ich wollte diesen großen Tag einmal erleben, und zwar mit allem, was dazu gehört: Brautkleidanproben, Bacheloretteparty, emotionale Trauung mit Freunden und Familie und ein Honeymoon auf höchstem Niveau. Und ganz ehrlich: So jung und heiß wie jetzt werde ich nie wieder sein. Als junge Braut werde ich mir auf den Hochzeitsfotos immer gefallen. Warum also warten? 😉
  • Die Liebe meines Lebens: Auch nicht ganz unwesentlich: Ich habe meinen GameChanger geheiratet. Erinnert ihr euch noch an den Beitrag? Wenn nicht, könnt ihr ihn hier nachlesen. Ich habe meinen Mann mit 18 kennen gelernt, also 2013. Das heißt, beim Verfassen all meiner frustrierten Blog-Beiträge kannte und liebte ich ihn bereits. Er war immer der, den ich wollte und Gott sei Dank hat er nach vier Jahren auch endlich erkannt, dass die beste Frau, die ihm je begegnen wird, längst vor ihm stand. Ihr könnt euch also vielleicht vorstellen, dass der Heiratsantrag für mich das hollywoodreife Happy End war, auf das ich all die Jahre gewartet hatte. Und doch ist die Ehe nicht das Ende von irgendetwas. Sondern erst der Anfang.
  • Ich war soweit: Das Allerwichtigste: Ich habe mich einfach bereit gefühlt. Ja, ich bin noch sehr jung. Aber bis jetzt habe ich mein Leben immer auf der Überholspur gelebt: Mit 5 in die Schule, mit 17 Matura, mit 21 Bachelor, mit 23 Master. Mit 20 der erste Vollzeitjob und die erste eigene Wohnung. Partys, Dates und Männer? Zur Genüge. Irgendwann reicht es dann auch. Wenn du den richtigen Partner an deiner Seite hast, weißt du einfach: Den behalte ich.

Wir sind also seit fünf Monaten Mann und Frau. Ich mein, das waren wir streng genommen vorher schon. Ob sich außer dem Diamantklunker und meinem Nachnamen dann überhaupt etwas verändert hat? Eigentlich nicht. Ich finde, man ist sich einfach bewusster, dass man jemanden an seiner Seite hat, den man nicht mehr so schnell loswird. Und deshalb lachen wir Meinungsverschiedenheiten innerhalb von zwanzig Sekunden weg, ertragen unsere Familienfeiern mit Hingabe und geben einander den Freiraum, den wir brauchen. Doch mehr dazu beim nächsten Mal.

Es gibt keine Regeln

Zuletzt möchte ich noch einen ganz wesentlichen Punkt anschneiden: Es ist scheißegal, ob du nach einem halben Jahr Beziehung heiratest oder nach zehn. Es interessiert keinen, ob ihr schon Kinder habt, nie welche wollt oder daran die nächsten zehn Jahre noch nicht denken möchtet. Für die perfekte Ehe gibt es kein Regelbuch. Im Endeffekt musst du dir nur sicher sein, dass du JETZT diesen Schritt gehen willst, dass es sich JETZT richtig anfühlt. Wir können alle nicht in die Zukunft schauen. Wir wissen nicht, ob wir morgen vom Bus überfahren werden, ob unser Partner in zwanzig Jahren von einem Alien entführt wird oder sich entschließt, mit seiner Sekretärin durchzubrennen. Aber willst du, nur weil die Zukunft nie hundertprozentig sicher und geplant sein kann, darauf verzichten, ein Risiko einzugehen? Dieses Risiko könnte womöglich die beste Zeit deines Lebens sein. Also tu das, was dich jetzt, in diesem Moment, glücklich macht. Wer weiß schon, wie viele Momente wir noch haben?

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