Warum deine Karriere die beste Beziehung ist

„Mit 17 Matura, 20 Bachelor, 22 Master – Es scheint noch nicht bei allen angekommen zu sein, dass die Lebenserwartung über 36 gestiegen ist“, las ich erst vor wenigen Tagen auf einem Facebook-Meme. Ich konnte förmlich hören, wie der Verfasser einen hyänenartigen Laut von sich gab und sich nach dem Verschicken an all seine Freunde so lächerlich abklatschen lies, wie einer dieser Typen in der U-Bahn, die dir „Hey Schnecke, wenn du dich setzen willst, auf meinem Gesicht ist noch ein Platz frei“, zugrölen.
Okay zugegeben, sowas hat mir noch nie jemand zugerufen, ansonsten hättet ihr die Schlagzeile „21-Jährige prügelt Mann krankenhausreif“ bereits in eurem täglichen Qualitätsblatt „Heute“ erspäht.   Wie auch immer. Leute, jetzt mal im Ernst: Bei jemandem, der so eine Meinung vertritt, ist anzunehmen, dass es sich um einen Langzeitstudenten mit fettigen Dreads handelt, dessen Lieblingsbeschäftigung (natürlich neben dem Rauchen von Joints) es ist, sich von seinen Eltern die Moneten in den Allerwertesten schieben zu lassen.


Und nein, ich sage nicht, dass man im Leben nur mit akademischen Titeln was erreichen kann, aber jemand, der mit beiden Beinen im Leben steht, sich seine Lebensqualität selbst erarbeitet und bestrebt ist, erfolgreich zu sein, würde ebenfalls nicht so einen Schenkelklopfer-Spruch verfassen.

Ein neuer Trend

Aber ob fettige Dreads oder nicht, das Thema ist heute ein anderes. Ich weiß, wir sind alle noch jung und haben unser ganzes Leben noch vor uns, blabla. Okay, mag ja sein, aber wie oft habe ich schon von jemandem von euch gehört, dass es jetzt mal Zeit für eine feste Beziehung wäre? Für jemanden, der euch nicht verarscht? Nicht betrügt? Zeit, jemandem der euch ausnahmsweise die Aufmerksamkeit entgegen bringt, die ihr euch normalerweise so wünscht, auch mal eine Chance zu geben? Oft, Leute, sehr oft. Ist das wirklich der neue Trend? Ein Zeichen von erwachsen werden? In meinen Augen handelt es sich dabei eher um reine Energieverschwendung. Ich weiß, ich predige das oft. Aber wenn ihr euch fragt, warum ihr liebestechnisch nichts auf die Reihe kriegt, gibt es nur eine richtige Antwort: Weil ihr noch nicht wisst, was ihr eigentlich wollt. Weil ihr noch nicht wisst, wer ihr selbst seid und in weiterer Folge, wie jemand sein muss, damit er euch ergänzen kann.  Ich bin da keine Ausnahme. Erst kürzlich bekam ich die frustrierte SMS „Du willst dich also noch 4 bis 5 Jahre ausleben?! Wirklich schade, dass du so an deiner Einstellung festhältst!“


Ach Hase, dachte ich. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich will kein Mensch sein, der sich mit 21 den „Partner fürs Leben“ schnappt, auf Ausbildung und Aufstiegschancen verzichtet, schwanger wird und Feiern am Wochenende durch Teleshopping auf der Couch ersetzt, während Mr. Ach-So-Right, der gerade Überstunden machen sollte, seine Sekretärin knallt. „Deine Karriere wird nie aufwachen und dir sagen, dass sie dich nicht mehr liebt“, heißt es. Damn right! Man sagt ja, Geld macht nicht glücklich aber das sagen halt leider nur jene, die es nicht richtig auszugeben wissen. Kurz gesagt: Weh tuts auch nicht, wenn ihr’s habt. Wenn ihr Zeit in eure Weiterbildung steckt werdet ihr am Ende nicht dastehen und denken „Ich habe alles für sie getan und sie hat mich nur belogen“. Oder: „Ich wollte sie so sehr und jetzt schläft sie mit meinem besten Freund.“  Oh no, was ihr gelernt habt, kann euch echt keiner wegnehmen. Klar wird es da immer auch Neider geben, unzufriedene Leute, die im 16. Semester sind und euch als Spießer und Spielverderber dastehen lassen, weil sie selbst nichts auf die Reihe bekommen. Aber who the hell cares?! Dabei handelt es sich später dann um Menschen, die Jahrzehnte lang im selben Büro sitzen, sich mit ihrem nie steigenden Gehalt, ihrer immer gleich düsteren Wohnung und ihren zwei Wochen Italien-Urlaub im Jahr zufrieden geben. Wobei – wirklich zufrieden wirken die auch nicht, wenn ihr mich fragt.

Das beste Leben

Wenn ich in zehn Jahren von der Arbeit nachhause komme, will ich den Tag nicht mit „keine besonderen Vorkommnisse“ oder „wie jeder andere“ reflektieren. Weil ich davon überzeugt bin, nur ein einziges Mal auf dieser Welt zu leben. Und dann will ich auch verdammt nochmal das beste Leben führen, das ich erreichen kann. Ich will mit einem Lächeln aufwachen, mein helles Loft verlassen, in einen AMG steigen und im Urlaub dann in einer Poolvilla entspannen – und all das in dem Wissen, dass ich mir das selbst erarbeitet habe. Ja, für manche sind das nur dumme Träumereien. Weil sie aufgehört haben, selbst nach mehr zu streben. Scheißt auf diese Miesmacher! Setzt euch hin und lernt für diese dumme Prüfung oder schreibt endlich eine Bewerbung oder sagt eurem Chef endlich, dass ihr eine Gehaltserhöhung verdient habt – weil ihr es wert seid!

Ja, vielleicht liked der Mann eurer schlaflosen Nächte gerade das Selfie einer Halbnackten auf Instagram. Ja, vielleicht hat euch das Mädchen, das ihr am Wochenende im Volksgarten kennengelernt habt, statt ihrer eigenen die Nummer ihres eifersüchtigen Exfreundes gegeben. Ja, vielleicht wird euer Freund, der gerade in der Dusche ist, von einer unter „Pizzamann“ gespeicherten Nummer angerufen. Scheißegal! Wenn die Zeit dafür haben, sollen sie. Wir nicht, Leute. Wir machen Karriere. 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s